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Christine. Aus dem Leben eines jungen Mädchens. – Buch antiquarisch kaufen

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Autor/in:
Zustand:
leichte Gebrauchsspuren
Verlag:
Seiten:
224
Gewicht:
388 g
Einband:
Halbleinen
Sprache:
Deutsch
Beschreibung:
Leseprobe:

TANTE MATHILDE

Das Telegramm

Von dem alten St. Petriturm schwangen sieben dröhnende Glockenschläge über die spitzgiebeligen Dächer der kleinen Stadt hinweg in den Sonnenschein des jungen Frühlingstages.
Die Luft strich kühl vom Meer herüber. Es versprach ein schöner Tag zu werden.
Herr O. H. Hansen trat aus der Tür seines Hauses, verweilte einen Augenblick unter seinem Eingang, atmete tief die Morgenluft ein, und trat dann auf den backsteingepflasterten Bürgersteig.
Ehe er sich aber der Hauptstraße zuwandte, die zum Bahnhof hinunterführte, sah er sich um und betrachtete — wie oft hatte er das schon getan — mit Wohlgefallen sein Haus, das wohl zu den schönsten der kleinen Stadt gehörte.
Es war ein altes Haus, aber es trug noch immer die strahlende Schönheit einer längst vergangenen Zeit. Besonders der hohe siebenfache Treppengiebel hatte schon manchen Bewunderer gefunden, ja, er war ein Meisterstück mittelalterlicher Baukunst, und Herr Hansen hatte ihn auch renovieren lassen, damals, als er das Haus gekauft hatte und das war auch schon wieder sehr lange her. Damals wurden auch die unteren Räume ausgebaut. Wo früher behäbige Bürger ihren Dämmerschoppen tranken und über Gott und die Welt Gespräche führten, da ließ nun Herr Hansen Regale einbauen, und in sie hinein stellte er die Bücher, die er verkaufen wollte.
Ja, der große und recht stattliche Herr mit dem goldenen Zwicker auf der Nase mit dem breitkrempigen Hut auf dem dichten grauen Haar, Herr A. O. Hansen also, wohlangesehener Bürger und Buchhändler der Stadt, Kirchenratsvorsitzender und Stadtverordneter, eilte nun mit weitgeöffnetem Mantel die Hauptstraße hinunter dem Bahnhof zu. In dieser frühen Morgenstunde waren nicht allzuviel Leute unterwegs, immerhin Herr Hansen hatte genug zu tun.
Immer wieder mußte er an den Hut greifen, denn alle kannten ihn und er kannte sie. Vorübergehende Frauen grüßte er mit einer ritterlichen Artigkeit, jungen Menschen gegenüber begnügte er sich mit einem kurzen Tippen an den Hutrand.
Dort an der Ecke, wo Konditormeister Clausen sein recht gutgehendes Geschäft hatte, wurde Herr Hansen von einem etwa gleichalterigen Herrn aufgehalten.
„Guten Morgen, lieber Ottomar!" rief er und stellte sich Herrn Hansen in den Weg, so, daß dieser nicht umhin konnte, auch stehen zu bleiben.
„Morgen, Morgen," brummte Herr Hansen. Er schien aus einer ferneren Gedankenwelt herausgestoßen worden zu sein und sagte: „bitte entschuldige, lieber Fritz, ich habe es eilig, ich muß noch den Frühzug von Hamburg erreichen!"
„Oh, etwa eine kleine. Reise machen?" fragte der Herr. Es war Apotheker Lanner, der auch am Marktplatz seinen Wirkungsplatz hatte, aber unten am See wohnte und nun seinen allmorgendlichen Spaziergang absolvierte. (
„Nein", sagte kurz Herr Hansen. Er zog ein Stück Papier hervor, zeigte es dem Apotheker flüchtig:
„Ich werde jemanden an der Bahn erwarten müssen, ein kleiner Besuch sozusagen. Es kommt etwas überraschend. Guten Morgen!" Damit machte Herr Hansen eine Verbeugung und setzte seinen Weg nur noch bewegter fort.
Als Herr Hansen auf dem Bahnsteig hin und her ging, die Hände auf dem Rücken verschränkte, den Mantel wieder geschlossen, weil es doch empfindlich zog, hatte er Zeit genug, noch einmal darüber nachzudenken, warum er nun zur frühen Morgenstunde hier seiner Ungeduld kaum Herr werden konnte.
Gestern abend hatte es begonnen. Da kam dieses Telegramm aus Hamburg:
onkel ottomar, ich komme am freitag früh, meine mutter ist gestorben.
Christine.
Christine war die Nickte des Herrn Hansen, das war ziemlich leicht zu begreifen, nicht so leicht war die Gestauchte, die sich um Christine und um die verstorbene Mutter herumrankte. Nein, sie war sogar sehr schwer, denn die Verstorbene war doch die Schwester des Herrn Hansen. Und nun war Herr Hansen plötzlich in Trauer versetzt worden, nachdem er von seiner Schwester jahrelang nichts gehört hatte. Oh, es waren viele, viele Jahre vergangen, seitdem er seine Schwester nicht gesehen hatte. Christine kannte er nur von einer Begegnung her, die damals ziemlich einseitig geblieben war, denn Christine lag in den Windeln und schlief. Herr Hansen hatte nur die Verpflichtung gehabt, sich mit einem wohlwollenden Lächeln über das Steckkissen zu beugen. Ja, das war nun vor 18 Jahren gewesen, oder sollten es nur 17 Jahre
sein? Herr Hansen konnte sich auch daran nicht erinnern. Nein, er wollte sich nicht erinnern, denn es hing doch da eine Geschichte dran, an die niemand mehr rühren sollte. Und es hatte auch niemand daran gerührt. Natürlich war darüber gesprochen worden, aber selbst die zähesten Gespräche trocknen einmal ein und zerfallen wie staubiger Plunder, und eigentlich wußte niemand in der Stadt mehr, wie es wirklich damals zugegangen war.
Nun, seine Schwester hatte danach schnell die Stadt verlassen und war nach England gegangen.
Drei Jahre war sie „drüben" gewesen und dann hatte sie einen Kapitän geheiratet, — das heißt, damals als sie Frau Dircksen wurde, da war der Kapitän im Steuermannsrang und es sollte noch eine Weile dauern, bis er das Patent für große Fahrt bekam. Genug, Luise Dircksen, geborene Hansen, war eine Seemannsfrau geworden, die das Los des Alleinseins still und tapfer trug. Viele Klagen hörte man nicht von ihr, und als dann ein Mädchen geboren wurde, da war das ganz gut für ihre Einsamkeit.
Dieses Mädchen hieß nun Christine, und Herr Hansen wollte damals dieses freudige Ereignis ausnützen, um eine Versöhnung herbeizuführen, aber es gab keine Versöhnung, es konnte keine geben, denn Frau Mathilde Hansen, die Frau des Herrn Hansen, war für immer dagegen.
Es sei zuviel gewesen, sagte damals Frau Mathilde, das könne selbst der liebe Gott nicht mehr einrenken. Ja, nun war das Versöhnungswerk des Herrn Hansen zusammengebrochen. Und er stand damals an der Wiege der kleinen Christine, und er kam sich ziemlich verlassen und hilflos vor. Er und seine Schwester waren sich eigentlich nicht gram gesinnt, aber sie lebten sich doch auseinander und schließlich war es nur noch zu einigen Höflichkeitsgrüßen gekommen zu den großen Festen, wenn man um die einfachste Familienpflicht nicht herum kam.
Und dann war auch der große Krieg gekommen mit all dem Leid und den großen Sorgen, ja, und dann verlor man alles in der Inflation und nun wollte man sich wieder aufrichten. Ja, man hatte doch genug mit sich selbst zu tun. Und wie konnte man auch annehmen, daß ein Mensch so plötzlich sterben mußte, ohne daß man sich nach einem Versöhnungsweg umgesehen hatte?
Ich möchte ja gern wissen, was eigentlich Christine will, dachte Herr Hansen.
Nun, diese Frage brauchte sich doch Herr Hansen auch nicht zu stellen, denn, stand Christine nicht ganz allein auf der Welt? Konnte er sich denn nicht einmal daran erinnern, daß auch ihr Vater, der Kapitän, damals starb, als sie ihn totkrank in ein Hafenspital brachten? War es nicht Batavia gewesen? Richtig, Batavia, Malaria, Herzschlag. Auch zu.....

Stark nachgedunkelt.
Erschienen:
1949
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